Beugesehnen Verletzung Nachsorge 1

Die Nachsorge bei Beugesehnenverletzungen

Was versteht man unter der Nachsorge nach Kleinert?
Der amerikanische Handchirurg Kleinert hat in mehren Studien Anfang der 70er Jahre nachgewiesen, dass mit einem nach ihm benannten Nachsorgeprogramm Beugesehnenverletzungen auch an ungünstiger Stelle primär operiert werden dürfen und, mit gutem Ergebnis, auch operiert werden können.
Vor der genialen Idee von Kleinert bestand in der Handchirurgie bei allen Beugesehnenverletzungen ein Dilemma:
Ließ man die Verletzten bewegen, so entwickelte sich auf der Nahtstelle der Sehne ein Zug und es kam in aller Regel zu einem Auseinanderweichen der Nahtstelle. Es entstand eine erneute Ruptur.

Ließ man die Verletzten hingegen nicht bewegen, so heilte die Nahtstelle der Beugesehne zwar aus, es entwickelte sich jedoch zwangsläufig zwischen Nahtstelle und dem Sehnenkanal eine starke Verwachsung. Diese Verwachsung blockierte dann das Gleiten der Sehne. Das Ergebnis war zwar eine intakte Beugesehne, die aber nicht gleiten konnte und somit konnte der Finger auch nicht bewegt werden.

Die Idee von Kleinert bestand nun darin:
Dass man die verletzte Hand in einer Beugestellung im Handgelenk ruhig stellte und die Fingerspitzen mit einem Gummizügel versorgte.

Durch den Zug des Gummis wurden auch ohne Kraftanstrengung der Beugemuskeln die Finger gebeugt.
Lässt man den Verletzten nun unter aktiver Anspannung der Strecksehnen strecken, so gleitet die Beugesehne. (es können sich also die Verwachsungen nicht ausbilden)
Entspannt der Verletzte nun nach Streckung der Finger wieder, so wird durch den Zug des Gummis der Finger wieder gebeugt und passiv gleitet die Sehne mit.

Diese geniale Idee vermied einen Zug auf der Beugesehnennahtstelle und gleichzeitig sorgte die Bewegung durch den Gummizug /die Gummizüge dafür, dass die Beugesehne nicht an einer Stelle verharrte und dass sich dort mit der Umgebung Verwachsungen ausbildeten.

Kleinert Behandlung bei Verletzungen der Beugesehnen

Nachbehandlung nach Kleinert I

Die Finger dürfen aktiv gestreckt werden. Die Streckmuskeln werden dabei angespannt. Es bewegen sich aber auch die Beugesehen ohne das die Beugemuskeln angespannt werden.

An der Nahtstelle der Beugesehnen entsteht kein nennenswerter Zug

Nachbehandlung nach Kleinert Phase II Beugung der Finger

Nachbehandlung nach Kleinert Phase II Beugung der Finger

Entspannt der Verletzte alle Muskeln des Unterarmes, so wird durch den Zug des Gummis die Finger wieder gebeugt und passiv gleiten die Beugesehen mit.

Auch hierbei entsteht an der Nahtstelle der Beugesehnen  kein nennenswerter Zug

Wann wird dann die Behandlung nach Kleinert nach einer Beugesehnenverletzung durchgeführt?
In den meisten Fällen einer Beugesehnenverletzung im Fingerbereich wird die Kleinertsche Nachbehandlung in der ersten Woche begonnen. Abgewichen wird von diesem Schema, wenn primär Begleitverletzungen an Nerven und Gefäßen oder am Knochen vorliegen, oder auch wenn ganz gravierende Weichteilschäden bestehen.
Für den Regelfall gilt jedoch, dass die Nachbehandlung nach Kleinert die besten Behandlungsresultate an den Fingern zeigt. Weniger eindeutig sind die Resultate bei isolierten Verletzungen der Beugesehne des Daumens. Hier gibt es nicht wenige Handchirurgen, die die Beugesehne des Daumens über einen längeren Zeitraum ruhigstellen.

Wie lange ist in der Nachsorgephase mit Einschränkungen der Belastung zu rechnen?
Die Nachsorgephase einer Beugesehnenverletzung ist ungemein lang. Nur so lässt sich ein gutes Behandlungsresultat erzielen.
Eine Schienenbehandlung währt in der Regel zwischen fünf und sechs Wochen. Danach darf eigentätig meistens weitergeübt werden. Die Übungen sollten jedoch in den ersten drei Monaten stets ohne große Kraftentfaltung erfolgen, da sonst die Gefahr des sekundären Reißens der genähten Beugesehne besteht. Auch verletzungsgefährdende Sportarten (z.B. Ballsportarten) sollten in dieser Phase tunlich gemieden werden.

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