Strecksehnen-Riss Finger Spätfolgen

Spätfolgen nach Strecksehnen-Rissen am Finger-Endglied

Was ist im Falle eines nicht verheilten Strecksehnenabrisses über dem Endgelenk zu tun?
An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass das Endergebnis eines Strecksehnenrisses erst viele Monate (nach rund einem halben Jahr!) wirklich abschließend beurteilt werden kann. Dennoch gibt es einige wenige Fälle, die nach konservativer Behandlung einen schlechten Verlauf nehmen.

Streck_Verlust am Daumen-Endglied

Die Abb. zeigt einen bleibenden Verlust der Streckfähigkeit am Daumen-Endgliedes. (gleichartige Streckverluste gibt es auch am Finger!)

Dieser Verlust der Strecksehnen-Funktion gerade am Daumen ist funktionell sehr störend.

Hier ist eine operative Behandlung sinnvoll.

Hierzu müssen zwei Komplikationstypen gesehen werden:

1. Die unzureichende Streckfähigkeit von 25 Grad und mehr.

2. Die eingeschränkte Beweglichkeit des Mittelgelenkes.

Wie wird denn die eingeschränkte Streckfähigkeit über dem Endgelenk behandelt?
Man kann in einer solchen Situation die Strecksehne raffen. Die Ursache der unzureichenden Streckfähigkeit über dem Endgelenk kommt dadurch zustande, dass die Narbe sich zwischen den Enden der Strecksehne entweder gar nicht oder ganz unzureichend und zu lang ausgebildet hat. Dadurch wird die Strecksehne zu lang und vermag das Endgelenk nicht zu heben.

Schneidet man nun das narbige Gewebe der Strecksehne aus, und näht die Sehne neu, so besteht eine Chance, dass die Sehne anwächst. Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwändig, da hierbei eine Ruhigstellung durch einen starren Draht (Kirschner Draht) des Endgelenkes notwendig wird, der dann wiederum nach sechs bis sieben Wochen entfernt werden muss.

Auch wenn dieser Eingriff recht einfach klingt, sollte er nur durchgeführt werden, von einem Arzt, der besondere Erfahrungen im Bereich der Sehnenchirurgie der Hand verfügt.

Ist die Raffung der Strecksehne denn immer möglich? 
Nein, dieses Verfahren sollte nicht angewendet werden, wenn das Gelenk bereits Verschleißerscheinungen zeigt. Arthrosen des Endgelenkes bezeichnet man oft als Heberden-Arthrosen.

Solche Heberden-Arthrosen und Strecksehnenrisse sind eine besonders ungünstige Kombination. Durch die Arthrose kann die Strecksehne bereits vorgeschädigt sein. Sie heilt dann auch bei richtig durchgeführter Ruhigstellung in Stack’scher Schiene nicht mehr aus. In solchen Fällen muss der Strecksehnen-Riss ähnlich behandelt werden, wie auch die Operation einer Heberdenarthrose. Hier wird eine Versteifung mit Schraube oder Drähten durchgeführt. Dies ist im Falle einer Heberdenarthrose  das einzig sichere Verfahren, dass zu einer akzeptablen Stellung des Fingerendgelenkes und gleichzeitig Schmerzbefreiung führt.

Was kann man tun, wenn das Mittelgelenk nach entfernen der Stack’schen Schiene eine schwerwiegende Bewegungsstörung hat?
Auch in diesem Fall ist nicht gleich eine operative Behandlung noch sinnvoll! Zunächst sollte der Betroffene selbst eigentätige Bewegungsübungen durchführen. Hier hat es sich bewährt im Handbad etwa fünf bis sechs Mal pro Tag je fünf Minuten im warmen Wasser die Hand zu beugen und zu strecken.
Später bei sich einstellendem Erfolg kann die Zahl der einzelnen Übungseinheiten auch auf drei bis vier reduziert werden. Alternativ hierzu kann auch eine krankengymnastische Übungsbehandlung sinnvoll sein.

Auf keinem Fall darf die Übungsbehandlung so durchgeführt werden, dass die Bewegung des Mittelgelenkes durch Druck auf das Endglied des Fingers (z.B. den Fingernagel) verbessert wird.
In diesem Fall kommt die gerade frisch zusammengewachsene Strecksehne wieder unter Zug und das Streckdefizit am Endgelenk kann sich wieder vermehren.

Dies muss sowohl bei den eigentätigen Bewegungsübungen als auch bei der krankengymnastischen Übung unbedingt beachtet werden.

Was ist zu tun, wenn eine Bewegungsstörung am Mittelgelenk zurück bleibt?
Bei wirklich funktionell, sehr gravierenden Störungen der Mittelgelenksbeweglichkeit kann eine operative Sehnenlösung über dem Mittelgelenk sinnvoll sein. Dies sollte jedoch erst nach etlichen Monaten erfolglos durchgeführter Übungsbehandlung erwogen werden.
Bei einer solchen Operation werden die Sehnenzügel, die im Bereich des Mittelgelenkes verklebt sind gelöst, sodass sie wieder frei gleiten können.

Auch dieser Eingriff ist sehr diffizil und sollte nur von einem in der Handchirurgie erfahrenen Arzt vorgenommen werden.

 

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