Risiken der Gelenkpunktion

Gibt es Gründe eine Gelenkpunktion aus diagnostischen oder therapeutischen Gründen nicht durchzuführen?

Ja! Hautschädigungen oder gar Infektionen der Haut (auch oberflächliche Infektionen) stellen für eine Injektion in ein Gelenk einen zwingenden Gegengrund (Kontraindikation) dar. Durch eine Hautschädigung ist es theoretisch möglich, Bakterien die auf der geschädigten Haut leben mit der Injektionsnadel in den Gelenksspalt zu transportieren und dort eine Infektion zu verursachen. Therapeutische Maßnahmen mit dem Ziel, ein Medikament wie Cortison oder Hyaloron in das Gelenk zu bringen, sind mit dringliche Maßnahmen und müssen aufgeschoben werden, wenn die Haut an der Injektionsstelle nicht in einwandfreiem Zustand ist.

Gründe, die gegen eine Gelenkpunktion sprechen sind auch die Einnahme bestimmter Medikamente, die die Blutgerinnung hemmen. An dieser Stelle seien die bekanntesten und am häufigsten verwendeten Medikamente genannt, die die Blutgerinnung hemmen: dies sind Marcumar®, Aspirin®, ASS, Plavix®.

Sollte bei Ihnen eine Gelenkpunktion/Gelenksinjektion geplant sein, so informieren Sie den behandelnden Arzt stets über alle Medikamente die sie einnehmen!

 

Kann eine Gelenksinjektion oder Punktion in jedem Raum durchgeführt werden?

Nein! In einem Raum in dem Punktionen eines Gelenks oder Injektionen in ein Gelenk durchgeführt werden, sollten räumliche Bedingungen herrschen, wie sie nach den Empfehlungen des Robert Koch Instituts auch für kleinere operative Maßnahmen gefordert werden!

 

Wie wird eine Gelenkpunktion durchgeführt?

Als Vorbereitung für die Gelenkpunktion muss das Gelenk weiträumig von Kleidungsstücken frei sein, um sicherzustellen, dass die Kleidungsstücke nicht während der Injektion versehentlich in den Bereich der Injektion geraten.

Körperhaare im Bereich des Gelenks werden – wenn der Haarwuchs sehr ausgeprägt ist – mit einer Schere gekürzt und nicht mehr wie früher rasiert.

Die Injektionsstelle muss sauber sein und wird dann gründlich mit einem zugelassenen Hautantiseptikum ausreichend lange und ausreichend weit desinfiziert.

Vor der eigentlichen Gelenkpunktion führen die meisten Ärzte an der Injektionsstelle eine lokale Betäubung durch, die den Schmerz der eigentlichen Gelenksinjektion deutlich reduziert.

Injektion von Kortison in das Daumensattelgelenk

Injektion von Cortison in ein Gelenk (Daumensattelgelenk)

Die obige Abb. zeigt die Injektion eines Medikaments zur Behandlung einer Arthrose am Daumensattelgelenk

Welche Risiken bestehen bei einer Gelenkpunktion?

Bevor überhaupt eine Gelenkpunktion konkret durchgeführt wird, muss mit dem Patienten das individuelle Risiko der geplanten Maßnahme abgewogen und besprochen werden. Unbedingt sollte der Patient darüber informiert sein, dass die Gefahr besteht, dass es nach der Punktion zu einer Infektion im Gelenk kommt. Das Risiko für eine Gelenkinfektion nach einer Punktion oder einer Injektion wird mit 1 zu 20.00 und 1 zu 50.000 in der Fachliteratur angegeben.

Allerdings kann für spezielle Personengruppen – wie zum Beispiel Diabetiker oder Patienten mit einer die körpereigene Abwehr schwächenden Krankheit – das Risiko einer Infektion sehr viel höher sein.

Was würde im Einzelfall eine Gelenkinfektion bedeuten?

Zunächst muss eine Gelenkinfektion von einer relativ einfach zu behandelnden Infektion der Weichteile an der Einstichstelle unterschieden werden. Für eine oberflächliche Infektionen an der Einstichstelle genügen oft lokale antiseptische Behandlungen gegebenenfalls in Kombination mit einem Antibiotikum.

Hingegen bedeuten Infektionen im Gelenk selbst oder an den das gelenkbildenden Knochen häufig sehr langwierige Behandlungen und oft auch die Notwendigkeit weiterer Operationen. Nicht selten verbleiben nach schwereren Gelenksinfektionen auch Bewegungseinschränkungen im Gelenk zurück.

Letztlich – wenn auch sehr selten – ist auch ein Verlust der Gliedmaße nicht mit letzter Sicherheit bei einer Gelenkinfektion auszuschließen!

 

Kann nach einer Gelenkpunktion – zum Beispiel an der Hand – eine Sudecksche Krankheit (CRPS) entstehen?

Ja! Dies ist möglich nach jedem Eingriff und jeder (auch kleineren Verletzungen) kann ein komplexes regionales Schmerzsyndrom mit lang anhaltenden Schwellungen und Bewegungseinschränkungen entstehen. Besonders gefährdet ist die Hand. Allerdings kann ein CRPS auch an anderen Gelenkregionen wieder Schulter, dem Ellenbogen oder an Gelenken der unteren Extremität auftreten.

 

Welche Gefahren und Risiken können von injizierten Medikamenten ausgehen?

Alle zur Betäubung oder zur Behandlung in ein Gelenk eingebrachte Medikamente können zu Allergien (Überempfindlichkeitsreaktionen) führen. Leichte Überempfindlichkeitsreaktionen machen sich bemerkbar mit Juckreiz, Hautausschlag Schwindel und eventuell auch Erbrechen.

Schwerere allergische Reaktionen können zu gravierenden Störungen des Herzkreislaufs und der Atmung und auch den Nieren führen.

Ein gut geschultes Praxisteam ist jedoch mit solchen Komplikationen umgehen können und dauerhafte Schäden in aller Regel vermeiden.

 

Welche Nebenwirkungen sind bei cortisonhaltigen Präparaten zu erwarten?

Bei einer Gelenksinjektion des Medikaments Cortison gelangt ein geringer Teil des Hormons Cortison in die Blutbahn und kann dort zu Hautrötung (besonders im Gesicht) führen, bei gehäufter Anwendung auch zu Gewichtszunahme, vermehrter Wassereinlagerung, Entkalkungen im Knochen (Minderung der Knochendichte) sowie auch zu Magen oder Darmgeschwüren.

Zu welchem Nebenwirkungen kann die Injektion mit Hyaloronsäure führen?

Bei dieser Behandlung sind besonders örtliche und auch allgemeine Allergiereaktionen berichtet worden.

 

Was geschieht nach der Punktion eines Gelenks oder der Injektion ins Gelenk (intraartikulären Injektion)?

Nach der Punktion eines Gelenks oder der Injektion eines Medikamentes in das Gelenk, sollte die Injektionsstelle mit einem sterilen Wundschnellverband bedeckt werden. Sinnvoll ist es, wenn der Behandler, die Nachsorge durchführt und die Injektionsstelle in den Tagen nach der Injektion selbst in Augenschein nimmt.

Ernste Komplikationen zeigen sich häufig durch einen ungewöhnlichen Verlauf mit starken Gelenkschmerzen, Fieber und einer geröteten Injektionsstelle. In einem solchen Fall sollte schnellstmöglich der Behandler oder in dessen Abwesenheit ein erfahrener Facharzt oder Krankenhaus zurate gezogen werden.

 

Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen der Behandlungsmaßnahme

  • Einholen des schriftlichen Einverständnisses des Patienten
  • Vorbereitung des Patienten (Lagerung, Auswählen der Punktionsstelle – ggf. auch durch Ultraschalluntersuchung, Desinfektion)
  • Punktion unter sterilen Bedingungen
  • gegebenenfalls Absaugen von Flüssigkeit (Analysezwecke)
  • Einbringen von Medikamenten in die entsprechende Gelenkhöhle
  • Steriler Wundverband

 

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