Guyon-Syndrom Ursachen

Ursachen der Schädigung des Ellennerven im Guyon-Kanal

Welche Ursachen führen zu einer Kompression des Ellennervs im Guyon’ schen Kanal?
Hier kann man drei verschiedene Ursachen- Typen, die zu einer Schädigung des Ellennervs im Guyon’ schen Tunnel führen, unterscheiden:
Schädigung durch einen äußeren Druck

Indirekte Druckschädigung durch verschobene Frakturen in der Nähe des Guyon’ schen Kanals
geschwulstartige Neubildungen (besonders Ganglien)

Wie kann man sich konkret die Schädigung des Ellennervs (Nervus ulnaris im Bereich des Guyon’ schen Kanals durch einen äußeren Druck vorstellen?
Dies sei an drei typischen Beispielen verdeutlicht:

Ein Rennradfahrer (oder auch ein Motorradfahrer) stützt sich über viele Stunden am Lenkrad ab. Besonders bei Verzicht auf gut gepolsterte Handschuhe oder entsprechend gepolsterte Lenksäule wird hier ein lang dauernder Druck auf den Ellennerven ausgeübt. Da der Ellennerv recht oberflächlich und ungeschützt im Guyon’ schen Kanal liegt, kann hierdurch eine beträchtliche Schädigung des Nerven verursacht werden. Besonders dann, wenn über Tage oder Wochen diese Druckschädigung anhält.

MRT_CTS_GuyonDer rote Pfeil in der Abb. zeigt auf den Guyon-Tunnel in einem MRT
Beachten Sie die oberflächliche Lage der Loge de Guyon. Ein äußerer Druck auf die Haut überträgt sich gut auf den Guyon Kanal.

Ein weiteres Beispiel:

Ein intensiv übender Hobby- oder Profimusiker hält sein Musikinstrument so, dass auf dem Kleinfingerballen lange Zeit ein Druck entsteht. Während des angespannten Übens oder während des Konzertes ist die Aufmerksamkeit des Musikers derart abgelenkt, dass der Druck auf den Nerv zunächst kaum wahrgenommen wird. Erst später zeigt sich die Auswirkung des chronischen Druckschadens am Ellennerven.

Ein drittes Beispiel:

Manche Handwerker gebrauchen (besser sollte man sagen: missbrauchen) ihre Hand wie einen Hammer. Oft schlagen sie mit der Hand auf einen Schraubenzieher oder auf ein Werkstück. Hierbei wird besonders gerne die vermeintlich gut gepolsterte Zone der Hand gebraucht, unter der sich der Guyon’ sche Kanal befindet.
Durch einen solchen Missbrauch der Hand als Schlaginstrument kann sowohl durch einen einmaligen Schlag auch durch wiederholte Schläge, die über einen längeren Zeitraum ausgeführt werden, eine Schädigung am Ellennerven im Guyon’ schen Kanal auftreten.
Darüber hinaus kann es sogar zu Schäden an der begleitenden Arterie kommen. Bekannt ist hier die Entwicklung von Thrombosen in der Arteria ulnaris, ein Krankheitsbild, das man Hypothenar- Hammer- Syndrom nennt.

Guyon_TunnelDer schwarze Pfeil in der Abb. zeigt im Guyon-Kanal die enge Nachbarschaft zwischen der Ellenarterie  (Arteria ulnaris) (rot) und dem Ellennerven des Handgelenkes (Nervus ulnaris) (gelb)

Gelten solche Druckschädigungen in dem Guyon’ schen Kanal eigentlich als Arbeitsunfall?
Da die Druckschädigungen  meist chronisch über einen längeren Zeitraum entstehen, gelten sie nicht als Arbeitsunfall. Dennoch können solche chronischen Druckschädigungen am Ellennerven im Bereich des Guyon’ schen Kanals- wenn sie bei versicherter Tätigkeit entstanden sind- als Berufskrankheit anerkannt werden.

Die hier anzuwendende Berufskrankheit wäre die BK 2106 (chronische Druckschädigung von Nerven).

Können auch Frakturen (Knochenbrüche) zu einem Loge- de Guyon- Syndrom führen?
Ja, allerdings nur wenn diese Knochenbrüche sich recht nah des Guyon’ schen Kanal (Loge- de Guyon) ereignen und wenn der Knochenbruch verschoben ist.
Besonders bekannt ist hier der Abbruch eines dornartigen Fortsatzes des Hakenbeins (Hamulus Fraktur). Eine weitere Fraktur ist gelegentlich Auslöser einer Kompression des Ellennervs im Guyon’ schen Kanal. Es handelt sich hier um eine Fraktur an der Basis des 5. Mittelhandknochens. Diese Fraktur kann auch zusätzlich mit einer Luxation (Verrenkung) verbunden sein. Hier übt der verschobene Knochen einen Druck auf den Ellennerven von innen aus.

Welche Tumore führen zu einer Kompression des Ellennerven im Guyon’ schen Kanal?
Im Prinzip kann jede Raumforderung in der Nähe des Guyon’ schen Kanals zu einem Loge- de Guyon- Syndrom führen.
Im Prinzip kann dies jede Art von Geschwulst sein. Besonders bekannt sind Ganglien, die nicht nur im Bereich des Handgelenkes, sondern- wenn auch sehr selten- auch im Guyon’ schen Kanal vorkommen können.

Andere Ursachen sind von der Nervenwand des Nervus ulnaris ausgehende Geschwülste (so genannte Neurinome oder Schwanome).
Aber auch Veränderungen, wie Aussackungen der Begleitarterie (Arterienaneurisma) können Nervendruck und Nervenschaden ausüben. Ganz vereinzelt sind im Guyon’ schen Kanal auch andere Geschwülste, wie zum Beispiel ein Riesenzelltumor in der Literatur beschrieben worden.

Gibt es noch weitere Ursachen für die Entstehung eines Loge- de Guyon- Syndroms?
Ja, wie auch im Karpalkanal, so können in der Nähe oder im Guyon’ schen Kanal Atypische Sehnen- oder Muskelstrukturen verlaufen, die einen zusätzlichen Druck auf den Nerv ausüben. Die Druckschädigung tritt dann nicht etwa im Kindesalter auf, sondern typischerweise im mittleren Alter. Hierbei entwickeln sich die Symptome meistens ganz schleichend.

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