Beugesehnen Verletzungen Risiken

Risiken bei der Operation einer Beugesehnenverletzung

Welche Risiken sind mit der Operation einer Beugesehnenverletzung verbunden?

Diese Frage an dieser Stelle nur orientierend beantwortet werden. Die Risikoabschätzung muss immer eine sehr individuelle sein. Generell lassen sich jedoch bei einer Operation einer Beugesehnenverletzung vier spezifische Risiken unterscheiden:

  1. Infektion
    Bereits bei der Durchtrennung der Haut sind Keime durch das Messer oder auch von der Haut in die Tiefe der Wunde gelangt. Zusätzlich kommt es zu Blutungen. Die Bakterien finden in dem Blut oder auch in der eröffneten Sehnenscheide (dem Kanalsystem, in dem die Sehne gleitet) einen sehr guten Nährboden, sodass es zu Infekten kommen kann.
    Hier wird der behandelnde Arzt in jedem Einzelfall abwägen, ob ein früher Antibiotikaeinsatz notwendig und sinnvoll ist um dieses Risiko zu minimieren. Merklich ausschalten kann man dieses Risiko jedoch nicht.
  2. Begleitverletzung von Nerven und Gefäßen
    Es kann durch die primäre Verletzung selbst ein Nerv oder Gefäß mit durchtrennt sein. Hier verlaufen sowohl auf der Daumen- wie auch auf der Kleinfingerseite einer jeden Beugesehne wichtige Nerven und Gefäße, die nicht selten auch primär bereits durchtrennt sind.
    Es kann jedoch auch im Rahmen der operativen Versorgung versehentlich zu einer Schädigung eines Nerven oder Gefäßes kommen.  Auch wenn beispielsweise der Nerv wieder genäht wird, verbleibt an der Nervenverletzungsstelle ein elektrisierender Schmerz und die Sensibilität bildet sich nur teilweise wieder zurück.
    Werden mehrere Gefäße durchtrennt, kann es im Extremfall sogar zum Absterben des Fingers kommen. Eine solche Komplikation ist jedoch äußerst selten.
  3. Schlechte Beweglichkeit des Fingers.
    Die Beugesehnenrekonstruktion ist ein äußerst subtiler, nicht einfach zu beherrschender Eingriff. Jedoch auch bei erfahrenen Handchirurgen kann es zu schlechten Behandlungsresultaten kommen, die in einer unzureichenden Fingerbeweglichkeit bestehen.
    Solche schlechten Behandlungsresultate haben ihren Grund in Verwachsungen zwischen der Nahtstelle der Beugesehne und der Umgebung. Ein solches Problem tritt besonders häufig bei Sehnenverletzungen in den engen Kanälen (in dem früher als „Niemandsland“ bezeichneten Bereich) auf.
  4. Sekundärer Beugesehnenriss
    Eine einmal genähte Beugesehne kann an der Nahtstelle ganz allmählich wieder auseinanderweichen. Eine solche Gefahr besteht besonders dann, wenn der Verletzte im Nachsorgeprogramm zu früh und zu kraftvoll neue Beugebewegungen durchführt.
    Um dies zu vermeiden gilt die Regel, in den ersten Monaten alle krankengymnastischen Übungen nur unter voller Respektierung der Schmerzgrenze und unter völliger Vermeidung von schmerzhaften Dehnungsübungen.

 

Verwachsungen zwischen den Enden einer operativ versorgten Beugesehnenverletzung

Verwachsungen zwischen den Enden einer operativ versorgten Beugesehnenverletzung

Nach einer Beugesehnennaht kann es um die Nahtstelle zu stärkeren Verwachsungen kommen. Folge:
die Sehne gleitet schlecht
durch vermehrte Anstrengung kann es zum Auseinanderweichen der Sehnenenden kommen (rote Pfeile), dies führ im Extremfall zum sekundären Sehnenriss

 

  • 5. CRPS (Sudeck’sche Krankheit)

Wie nach jeder Verletzung der Hand – oder jeder Operation – kann es auch nach einer Verletzung der Beugesehnen zu einem chronisch regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) kommen. (Diese Komplikation wurde früher als Sudeck Krankheit bezeichnet).

Was ist zu tun, wenn eine Beugesehne stark verwachsen ist und der Finger schlecht zu bewegen ist?
In diesem Fall kann später nach Ausreifung der Narbe operativ eine Sehnenlösung versucht werden. Bei einer solchen Sehnenlösung werden die Verwachsungen zwischen Sehne und dem Sehnenkanal beseitigt. Nicht selten müssen auch noch Sekundäreingriffe an den gebeugten Gelenken durchgeführt werden.
Durch eine solche Sehnenlösung lässt sich oft eine Verbesserung der Funktion, aber keine Normalisierung der Funktion erreichen.

Was ist zu tun, wenn die Beugesehnenverletzung erst sehr spät erkannt wurde oder wenn es zu einem erneuten Reißen der Beugesehne gekommen ist?
In einem solchen Fall kann eine Näherung der beiden Sehnenenden nicht mehr erfolgen. Die auseinandergewichenen Beugesehnen sind geschrumpft und eine direkte Naht zwischen den Sehnenenden ist nicht mehr möglich.
In einem solchen Fall wird eine Sehnentransplantation durchgeführt. Am Unterarm gibt es eine Sehne, die keine Funktion mehr hat. Es handelt sich um die Palmarissehne.

Bei etwa 90% der Menschen ist die Palmarissehne vorhanden. Sie kann als Spendersehne benutzt werden und zwischen die Sehnenenden gesetzt werden.
Das Prinzip der Sehnentransplantation ist sicherlich einfach zu verstehen. Die Durchführung eines solchen Eingriffes ist jedoch recht anspruchsvoll und sollte nur erfahrenen Handchirurgen vorbehalten bleiben.

Palmarissehne, die bei Beugesehnenverletzung, zur Transplantation einer Sehne gut geeignet ist

Palmarissehne am Unterarm

Die Palmarisssehne (roter Pfeil) kann man am eigenen Unterarm gut sehen, wenn man einen kleinen Gegenstand fest umgreift.

 

 

 

Ist mit einem schlechteren Ergebnis zu rechnen, wenn es im Verlauf der Beugesehnenverletzung zu einer Komplikation kommt?

Dies ist nicht in jedem Einzelfall so. Bei einer erneuten Operation – zum Beispiel einer Sehnentransplantation – steigt jedoch das Risiko, dass das Endergebnis nicht optimal wird.

Beugesehnentransplantation Palmaristransplantation

Transplantation einer Beugesehne: Minderung der Streckfähigkeit

Die beiden Abbildungen zeigen eine solche Situation nach durchgeführter Rekonstruktion der Beugesehne nach einem erneuten Riss. Hier wurde vom Unterarm die Palmarissehne entnommen und zwischen die beiden Enden der Beugesehne eingesetzt.

Leider kam es im Verlauf zu einer wesentlichen Streckminderung am Mittelgelenk des verletzten Ringfingers. Die Streckminderung am Mittelgelenk beträgt 80°.

Ergebnis nach Beugesehnenverletzung und Sehnentransplantation

Beugefähigkeit nach Transplantation der Palmarissehne

Die Fingerbeugung ist zwar akzeptabel gut; das Gesamtergebnis ist jedoch unbefriedigend! Aufgrund des schwerwiegenden Streckdefizit am Ringfinger stößt der Patient sich häufig an den verletzten Finger im Beruf und im Alltag.

zurück            weiter

Kommentare sind geschlossen