Beugesehnen Verletzung Nachsorge 2

Nachsorgeprogramm bei Beugesehnen-Verletzungen

Zunächst seien an dieser Stelle einige Ausdrücke erklärt, die im Rahmen der Übungsbehandlung immer wieder auftreten:

Was bedeutet Flexion?
Unter Flexion versteht man in diesem Zusammenhang das Beugen der Finger (z.B. zum Faustschluss). Im Einzelfall kann auch noch unterschieden werden zwischen Flexion (Beugung) des End-, Mittel- oder Grundgelenkes.

Beugung der Finger (Flexion)

Beugung der Finger (Flexion)

einfachstes Beispiel : alle Fingergelenke werden flektiert (gebeugt)

Was bedeutet Extension?
Unter Bei normalem Verlauf ist es jedoch nicht schädlich, wenn die Hand einmal für eine kürzere Zeit nach unten gehalten wird.Extension versteht man in diesem Zusammenhang die Streckung der Finger.

Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Bewegung?
Die aktive Bewegung geschieht durch die eigene Muskelkraft. Wenn Sie beispielsweise die Faust schließen, so wird durch ein Zusammenziehen (Kontrahieren) der am Unterarm gelegenen Muskeln dieser Muskelzug auf die Beugesehnen übertragen und die Finger beugen sich.
Bei der passiven Bewegung verbleiben die Unterarmmuskeln in Ruhe. Die passive Bewegung kann beispielsweise durch einen Krankengymnasten oder auch durch die andere Hand ausgeführt werden.
Im Zusammenhang mit dem Nachsorgeprogramm ist es auch wichtig zu verstehen, dass der Gummizug bei der Nachbehandlung nach Kleinert eine passive Flexionsbewegung bewirkt. (d.h. die Beugemuskeln des Unterarmes verbleiben in Ruhe und kontrahieren sich nicht)

Worauf muss in der Nachsorge in einer Schiene besonders geachtet werden?
Wie bei jeder Schienenbehandlung (z.B. auch jede andere Gipsschiene) darf nicht zu eng angelegt werden und keine Druckstellen haben.
Haben Sie nach Anlage einer Schiene ein Engegefühl oder einen Druckschmerz an einem beliebigen Punkt innerhalb der Schiene, sollten Sie unverzüglich Ihren behandelnden Arzt aufsuchen.
Beachten Sie hier, dass eine zu enge Schiene oder ein zu enger Verband zu gravierenden Funktionsstörungen an Hand und Unterarm führen können.
Viele Verletzte berichten spontan darüber, dass sie, wenn sie die Hand in Herzhöhe oder darüber hinaus halten, sie weniger Schmerzen und Schwellgefühl haben. Selbst bei einem Spaziergang kann es sinnvoll sein, die verletzte Hand besonders in den ersten Wochen nach der Verletzung und nach der Operation so zu halten.

Bei normalem Verlauf ist es jedoch nicht schädlich, wenn die Hand einmal für eine kürzere Zeit nach unten gehalten wird.

Bewegen Sie besonders auch häufig den Ellenbogen und besonders die Schulter!

 

Kann man die Schiene abnehmen?
In der Regel nicht. Gerade die Kleinertschiene kann man selbstständig in der Regel nicht wieder anlegen. Entfernen sie daher die Schiene nur, wenn es Ihr behandelnder Arzt Ihnen ausdrücklich gestattet hat. Sollten sie die Schiene einmal auf Grund eines kleinen Zwischenfalls (Schiene ist völlig durchnässt oder verschmutzt) entfernen müssen, so tun Sie dies mit Bedacht. Stellen Sie sicher, dass kurz danach die Schiene wieder fachmännisch angelegt wird. Vermeiden Sie in der (kurzen) Zeit ohne Schiene jede aktive Bewegung der Finger.

Kann man bei der Kleinertnachbehandlung eine Faust machen?
Sie sollten auf keinen Fall aktiv einen Faustschluss durchführen.

Nochmals zur Verdeutlichung: Aktiv heißt unter Anspannung der Unterarmmuskeln.
Der Gummizug sorgt für den Faustschluss. Sie dürfen aktiv den Gummizug bei einer Kleinert’schen Nachbehandlung strecken.

Wie sollen die Übungen in der Kleinert’schen Schiene durchgeführt werden?

Kleinert-Behandlung mit Schiene

Kleinert Schiene zur Nachbehandlung der Beugesehnenverletzung

Strecken Sie zunächst langsam aktiv die Finger gegen den Zug des Gummizügels. Achten Sie dabei darauf, dass das End- und das Mittelgelenk vollständig gestreckt sind.
(Die meisten Schienenbehandlungen stellen das Handgelenk und das Grundgelenk in Beugestellung ruhig. Wichtig ist jedoch, dass Mittel- und Endgelenk bei aktiver Streckung wirklich voll gestreckt sind. Andernfalls besteht die Gefahr, dass später diese Gelenke in einer unvollständigen Streckposition verbleiben).

Wichtig ist, dass bei all diesen Übungen niemals Schmerz provoziert wird. Haben Sie z.B. beim Strecken der Finger im Mittel- und Endgelenk Schmerzen, so strecken Sie nicht gegen den Schmerz! Führen Sie hier ein Gespräch mit Ihrem Arzt und Krankengymnasten, wie weit hier in den Schmerz geübt werden darf.
Fügen Sie selbst niemals (ohne ganz ausdrückliche Erlaubnis) eine passive Streckbewegung von Mittel- und Endgelenk durch.

Kleinert_Behandlung2Sind die Finger auf die oben beschriebene Weise gestreckt, so entspannen Sie möglichst die gesamte Unterarmmuskulatur (sowohl Strecker als auch Beuger), dann kommt es in Folge des Gummizugs zu einer Beugung der Finger.
Zur Erklärung: Bei diesem Übungsprogramm gleitet die Beugesehne in den engen Kanälen, ohne dass auf die Nahtstellen ein wesentlicher Muskelzug übertragen wird. Hierdurch wird das Gleiten gewährleistet und damit verhindert, dass sich Verwachsungen bilden.
Auf der anderen Seite führt dieses bei gutem Verlauf zu einer ungestörten Heilung an der Sehnennahtstelle.

Was ist nach rund 6 Wochen zu beachten?
Die meisten Schienennachbehandlungen werden nach rund 6 Wochen beendet. Für die meisten Beugesehnen ist es dann möglich, sie unter alltäglichen Situationen zu bewegen.
Fragen Sie bitte hier Ihren behandelnden Arzt, in wie weit schon Belastungen erlaubt sind.
In der Regel wird man nach rund 6 Wochen die aktive Beweglichkeit erlauben und erst nach Ablauf von rund 12 Wochen eine sich allmähliche steigernde Belastung.
Es ist also nach 6-12 Wochen nicht ratsam, einen schweren Gegenstand anzuheben oder einen Koffer mit der verletzten Hand zu tragen.

Diese hier gemachten Anleitungen können nur eine generelle Orientierung in der Nachsorge sein. Der individuelle Behandlungsplan kann nur zusammen mit dem Arzt und dem Krankengymnasten erarbeitet werden. Er richtet sich ganz wesentlich nach den individuellen Besonderheiten, die bei der Verletzung und der Operation vorliegen.

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