Schnittwunde Finger/Hand Einführung

In den Finger geschnitten, in die Hand geschnitten: Was tun?

Muss ich eine kleine Schnittwunde am Finger oder an der Hand unbedingt nähen lassen?

Schnittwunde_UnterarmEine jede Hautwunde – egal wie groß – ist für Bakterien ein Einfalltor in den Körper!

Die Naht einer Wunde verbindet die Hautränder miteinander. Wird die Naht innerhalb der ersten 6-8 Stunden vorgenommen, so ist die Wunde auch noch nicht in größerem Maße von Bakterien besiedelt. Die Wunde heilt nach einer Wundnaht am besten!

Heute ist es selbstverständlich, dass man mit einer größeren Schnittwunde – egal an welcher Körperstelle – eine chirurgische Ambulanz oder chirurgisch Praxis aufsucht.

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Was soll man tun, wenn man sich soeben eine kleine, nicht tiefe Schnittwunde bei der Hausarbeit oder beim handwerklichen Arbeiten zugezogen hat?

Es ist gut, dann zunächst die Schnittwunde eine kurze Zeit bluten zu lassen. Durch das kurze Bluten werden Bakterien und auch kleine Schmutzpartikel, die bei dem Schnitt unter die Haut geraten sind, auf natürliche Weise ausgespült und können später nicht zur Infektion führen.

Womit kann man eine Wunde, die etwas länger blutet am besten abdecken?

Nicht wenige Menschen greifen – um eine Wunde abzudecken – spontan in die Tasche und ziehen ein Tempo Taschentuch oder dergleichen hervor und bedecken damit die Wunde.

Dies ist nicht klug, da Papiertaschentücher aufweichen und kleine Papierfetzen nach Entfernung des Papiertaschentuches häufig in der Wunde bleiben. Dies stört mindestens die Wundheilung und ein kleiner Papierfetzen kann Quelle für eine Infektion sein.

Richtig ist es, wenn die Schnittwunde etwas länger blutet, die Wunde durch eine sterile Kompresse (in jedem Verbandskasten eines Autos) oder zumindest durch ein sauberes Tuch abzudecken. Bei etwas stärkere Blutung kann eine gewisse Zeit auch ein leichter Druck ausgeübt werden.

Steht die Blutung, sollte man – sofern vorhanden – ein zur Wunddesinfektion geeignetes Mittel auf die Wunde sprühen und dann die kleine Schnittwunde mit einem Pflaster bedecken.

Soll man eine Schnittwunde, die nicht mehr blutet nicht besser an der Luft trocknen lassen?

Eine mit einem Pflaster versorgte Wunde – ist gerade in der Frühphase der Wundheilung – geschützt und im Falle eines kleinen Stoßes bricht die Wunde nicht wieder auf. Daher ist es gerade in den ersten Tagen sinnvoll, auch eine kleine Schnittwunde mit einem Pflaster zu versorgen.

Soll man eine Wunde auswaschen?

Eine im Alltag erlittene Schnittwunde – zum Beispiel bei der Hausarbeit – sollte man nicht auswaschen, da Wasser die Haut und das darunterliegende Fettgewebe nur aufquellen lässt und damit die Wundheilung verzögert.

Nur stark verschmutzte Wunden sollte man möglichst unter kaltem Wasser ausspülen. Dabei ist es wichtig, keine Seife zu verwenden, da hierdurch wiederum die Haut und das darunterliegende aufgeschnittene Fettgewebe nur noch mehr irritiert wird.

Was soll ich tun, wenn ich mir nicht sicher bin, ob nicht kleine Steinchen oder Glassplitter in die Wunde geraten sind?

Als Erstmaßnahme ist dann ebenfalls eine Waschung der Wunde mit Wasser sinnvoll. Gerade bei Glassplittern sollte man jedoch einen Arzt aufsuchen, der die Wunde professionell inspiziert. Einmal in die Tiefe geratene Glassplitter, können von dort aus Infektionen verursachen aber auch weiter wandern und später beträchtliche Probleme bereiten.

Wann ist eine Schnittwunde problematisch und sollte unbedingt vom Arzt behandelt werden?

Das Problem von Schnittwunden am Finger oder der Hand ist jedoch nicht nur die Größe der Schnittwunde; mindestens ebenso wichtig ist die Tiefe der Schnittwunde am Finger oder an der Hand.

Die im Bild oben gezeigt kleine Schnittwunde am Mittelfinger könnte man mit eine oder zwei Stichen nähen. Sie würde wahrscheinlich auch gut heilen wenn man nur ein Fingerling oder eine Pflaster als Verband machte.

BeugesehnendurchtrennungDie Abb. links zeigt das wahre Problem dieser „kleinen Schnittwunde“ am Finger:

Der blauer Pfeil zeigt auf die durchtrennte Beugesehne des Fingers. Eine zu spät durchgeführte Operation einer solchen Beugesehnenverletzung ist sehr aufwendig und im Ergebnis meist auch schlechter als eine früh genug vorgenommene Operation

noch ein weiteres Beispiel, das eine Mahnung gegen einen leichtfertigen Umgang mit kleinen Schnittwunden am Finger oder der Hand mahnen soll:

Die kleine Wunde des Fingers erlitt die Patienten bei Arbeiten mit einem Küchenmesser bereits vor 2 Wochen.

Die Wunde selbst ist mit einer Kruste verheilt und kaum noch sichtbar. Seit 3 Tagen besteht eine zunehmende Rötung und Schwellung.
Nach Abheben der Kruste entleert sich massiv Eiter!

Muss denn wirklich jede kleine Schnittwunde am Finger oder an der Hand vom Arzt gesehen werden?

Sicher nicht! Die ganz überwiegende Zahl aller kleinen Schnittwunden an den Fingern oder auch an sonstigen Körperstellen heilt auch ohne ärztliche Maßnahmen oder ohne Hautnaht.
Die gezeigten Beispiele oben sollen nicht verunsichern; sie sollen jedoch eine Warnung gegen einen allzu leichtfertigen Umgang mit Schnittwunden sein.
Hat einmal das ersten Bluten nach einem Schnitt in den Finger aufgehört, ist ein Notverband oder Pflaster angelegt, so gilt es jetzt einmal mit kühlem Kopf zu überlegen, was weiter getan werden muss. Wie Gefahren vermieden werden, wie Begleitverletzungen und Komplikationen rechtzeitig erkannt werden können:

Hautschnittwunde_UnterarmNaht_Schnittwunde

Eine gut genähte und nachbehandelte Schnittwunde kann nach einer Woche so aussehen, wie in der rechten Abb. dargestellt!

 

 

 

 

 

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