Überstreckverletzung-Mittelgelenk

Überstreckverletzung-Mittelgelenk: Therapie

Was passiert bei einer Überstreckung eines Finger-Mittel-Gelenkes?
Auf der Beugeseite des Fingers (Seite mit der man greift)  befindet sich eine starke Knorpelplatte, die aus Band- und Knorpelteilen besteht, und die verhindert, dass das Gelenk unter alltäglicher Belastung überstreckt wird. Die Knorpelplatte nennt der Arzt Fibrocartilago palmaris.

Bei Überstreckverletzungen des Mittelgelenkes reißt diese Knorpelplatte. Der Abriss liegt meist am Ansatz der Platte am Mittelglied des Fingers. Gerade bei Kindern und jungen Menschen wird mit dem Riss der Knorpelplatte am am Mittelgelenk auch ein Stück Knochen mit ausgerissen.

Knochenabriss mit Bandschaden am Finger

Knochenabriss mit Bandschaden am Finger

Die Abb. zeigt  ein größeres Knochenstück, dass bei Überstreckung des Finger-Mittelgelenks mit dem Band (Knorpelplatte) ausgerissen ist!

Wie sind denn Verletzungen der beugeseitigen Knorpelplatte genau zu diagnostizieren?

Ein erster Hinweis ist die Vorgeschichte:

Hier ist besonders typisch die Ballsportverletzung, die den gestreckten Finger „nach hinten“ überstreckt hat.
Bei Untersuchung eines solchen verletzten Fingers bewegt man das Mittelgelenk vorsichtig in Überstreckrichtung: hierbei verstärkt sich der Schmerz.

In schweren Fällen kann der Finger auch überstreckt werden.

Kann die Knorpelplatte im Röntgenbild direkt gesehen werden?
Nein. Im Röntgenbild sind Bänder, Kapseln und Knorpel der Finger nicht sichtbar. Die geschädigte Knorpelplatte kann direkt im hochauflösendem Ultraschall oder im Kernspintomogramm erkannt werden. Meist reicht jedoch die Untersuchung durch einen in der Handchirurgie erfahrenen Arzt aus um die Diagnose sicher zu stellen.

Worin besteht die Gefahr bei einem Abriss der Knorpelplatte am Mittelgelenk?
Die große Gefahr besteht darin, dass eine Verkürzung der Knorpelplatte durch Vernarbung entsteht.

Das Ergebnis ist ein bewegungseingeschränktes Mittelgelenk. Hierbei ist sehr störend, dass das Mittelgelenk nicht voll gestreckt werden kann. Bewegungsdefizite von 30 und mehr Grad im Bereich des Mittelgelenkes, sind bei Verletzungen der beugeseitigen Knorpelplatte  alles andere als selten!

Mittelgelenksverletzung veraltet, Streckminderung am Mittelgelenk

veraltete Verletzung am Mittelgelenk mit Minderung der Streckfähigkeit

Streckminderungen – wie in der Abb. gezeigt – findet man als Spätfolge einer Überstreckung des Finger-Mittelgelenkes (Riss der Knorpelplatte) sehr häufig.

Wie kann dies vermieden werden?
Hier hat sich folgendes Vorgehen bewährt:

Im akuten Verletzungsfall: Ruhigstellung des Fingers auf einer Schiene: in Streckstellung des Mittelgelenkes, für höchstens ein bis zwei Tage.

Nach einer ersten Verteilung des Blutergusses, kann hier, ähnlich wie bei einer seitlichen Bandverletzung, eine Behandlung mit einer Mitläuferschlaufe erfolgen.

Mitlaeuferschlaufe bi einem Kapselbandriss am Finger

Mitteläuferschlaufe, die ein seitliches Abweichen des verletzten Fingers verhindert

Auch bei einem Riss der Knorpelplatte am Mittelgelenk kann die Therapie mit einer Mitläuferschlaufe sehr sinnvoll sein.

Hierdurch wird eine frühe Mobilisierung des verletzten Finger-Gelenkes möglich!

Besteht eine sehr starke Neigung zur Überstreckung, so gibt es eine weitere Möglichkeit der Schienenbehandlung, durch eine Anti-Extensionsschiene.

Diese Schiene verhindert ein Überstrecken des Fingers, erlaubt jedoch eine Beugung des Fingers im Mittelgelenk.  (Abb. unten)

Beugung Bandriss am Mittelgelenk

Schiene zur Verhinderung einer Überstreckung am Mittelgelenk

Anti Extensionsschiene bei Bandverletzung am Finger

Schiene zur Verhinderung einer Überstreckung am Mittelgelenk

Ist eine krankengymnastische Nachsorge notwendig?
Vielfach ist, gerade bei schwereren Verletzungen am Finger-Mittelgelenk, eine frühe Krankengymnastik sehr sinnvoll Diese muss jedoch sehr schonend und gefühlvoll erfolgen, um im Bereich des verletzten Mittelgelenkes keine Schmerzen zu provozieren.
Eine Krankengymnastik, die hier Schmerzen provoziert, ist eher kontraproduktiv und verstärkt die Neigung zu Bewegungsstörungen am verletzten Fingergelenk.

Zurück                   Weiter

Kommentare sind geschlossen