Gips-Verbände Komplikationen

Gips Verband

Was ist beim Anlegen des Gips-Verband zu beachten?
Ganz wichtig ist, dass die Hand hierbei im Handgelenk in eine gute Funktionsstellung kommt.

Ein richtig angelegter Unterarm-Gips soll in der Regel nur das Handgelenk und nicht die Finger ruhigstellen.

Unterarmgips_richtig

 

Beachten Sie: Der hier gezeigte Gips erlaubt die Bewegung aller Fingergelenke!

Sollte nicht ein ganz gewichtiger Grund eine andere Position notwendig machen, so werden die meisten Gipse in ganz leichter Streckstellung des Handgelenkes angelegt. In besonderen Fällen kann auch eine Streckstellung des Handgelenkes von 40-45° sinnvoll sein und gleichzeitig werden dabei die Finger gestreckt. Diese Position nennt man aufgrund der dabei erreichten Stellung der kleinen Handmuskeln auch Intrinsic-plus-Stellung.

Kommt es denn nicht zwangsläufig zum Drücken des Gips-Verbandes?
Ein gut angelegter Gips wird nur selten drücken. Wichtig ist, dass beim Anlegen des Gipses eine gute Polsterung erfolgt. Ganz besonders Knochenvorsprünge oder dicht unter der Haut gelegene Knochen müssen gut gepolstert werden.

Gips-VerbandEin gut gemachter Gips-Verband ist unter der Gipsschiene gut gepolstert.

Dies verhindert, dass die Haut direkt mit dem Gips in Kontakt kommt.

Liegt eine schwerere Verletzung vor – zum Beispiel ein Knochenbruch – so kann es unter der Gipsschiene einmal schwellen und Schmerzen verursachen.

Was ist im Falle von zunehmenden Schmerzen im Gips zu tun?
Zunehmende Schmerzen im Gips sind stets ein Alarm-Symptom, das sehr ernst genommen werden muss.

Die mit Abstand häufigste Ursache von zunehmenden Schmerzen ist ein zu enger Verband. Man darf hier dies nicht so verstehen, dass der Verband primär zu eng angelegt wurde (auch wenn das mal im Einzelfall möglich ist), meistens kommt es durch die zunehmende Schwellung im Gefolge einer Fraktur oder Operation dazu, dass ein primär gut sitzender Gips allmählich zu eng wird, gerade in der Nacht können hierdurch sehr heftige Beschwerden entstehen.

 

Was ist in einem solchen Fall zu tun?
Im Idealfall sucht man die behandelnde Praxis oder das behandelnde Krankenhaus auf und lässt den Gips korrigieren bzw. neu anlegen. Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, sollte nicht einfach zur Schmerztablette gegriffen werden.

Gipsverband_Aufschneiden_1Die Abb. links zeigt den ersten Schritt des Aufschneidens eines zu engen Gipsverbandes am Unterarm

Wie weiter unten genau beschrieben kann die gesamte Gipsschiene schrittweise entlang der schwarzen Linie aufgeschnitten werden.

Die schwarze Linie wurde hier zur besseren Darstellung auf den Gipsverband gemalt. Die Linie verläuft an der Grenze zwischen Gipsschiene und „nur“ Verband.

Liegt wirklich nur eine Gipsschiene – gleichgültig ob auf der Streck- oder der Beugeseite – des Unterarmes vor, so kann man den Gipsverband selbst aufschneiden. Dies sollte jedoch mit Bedacht gemacht werden. Am besten besorgt man sich hierzu aus dem Verbandskasten im Auto eine entsprechende Verbandsschere und gleichzeitig eine Wickel.

Dann schneidet man den Verband  entweder auf der Daumen oder Kleinfingerseite ein. Oft lässt bereits nach einem Einschneiden des Verbandes von fünf bis zehn Zentimeter der heftige Druck nach.

MUnterarmgips_Nachwickelnan wickelt dann mit der bereitliegenden Mullbinde – jeder Autoverbandskasten enthält solch eine Binde – die aufgeschnittene Stelle wieder neu an.
Hierbei genügt es einfach die Gipsschiene neu und locker anzuwickeln.

Ist immer noch ein Druckschmerz – auch wenn geringer – vorhanden, so schneidet man in zwei weiteren Etappen die Gipsschiene erneut weiter auf. Hier kann man in einer zweiten Etappe jetzt bis zum mittleren Unterarm den Gips aufschneiden und mit einer Mullbinde weiter umwickeln so, dass der Gips festhält und seine Funktion erfüllen kann.

Spätestens nach vollständigen Aufschneiden des gesamten Gipses muss der Schmerz ganz wesentlich nachlassen. Ist dies nicht der Fall ist die Ursache des Schmerzes tiefer liegend und nicht bedingt durch einen zu engen Verband!

Was ist in dieser Situation sinnvoll?
Einen Gips Aufschneiden kann man zur Not noch selbst machen….auch wenn dies nicht der empfohlene Weg ist. Aber im Notfall ist es besser den Gips in der oben beschriebenen Weise selbst aufzuschneiden und nach zu wickeln als die Schmerzen zu ertragen. (Eine lange ertragene zu enge Gipsschiene kann zu sehr üblen Komplikationen führen!)

Im Falle, dass auch hiernach der Schmerz nicht nachlässt muss an ernstere Komplikationen gedacht werden. Dies kann zum Beispiel nach einer Operation oder nach einem offenen Knochenbruch eine Infektion sein. Auch eine Infektion führt zu stärkeren Schwellungen und vor allen Dingen zu sehr starken Schmerzen. In diesem Falle ist unbedingt – dringlich – ärztliche Hilfe  geboten.

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