Gelenk-Infektionen Diagnose

Diagnose eines eitrigen Gelenkinfektes

Was geschieht, wenn Bakterien in das Gelenk geraten?
Die Gelenkinfektion verläuft zunächst beschränkt auf die Gelenkschleimhaut (Synovialis) und Gelenkflüssigkeit (Synoviaflüssigkeit). Am betroffenen Gelenk kann man einen Erguss feststellen. Das Gelenk wird von dem Betroffenen geschont.

Wie verläuft der Gelenkinfekt weiter, wenn in diesem Stadium keine Therapie erfolgt?
Während in vorhin bezeichnetem Stadium eine eitrige Synovialitis (Entzündung der Gelenkschleimhaut) zu beobachten ist, ist das Stadium II gekennzeichnet durch ein Gelenkempyem. (Eiterbildung im Gelenk)

Im Gelenk lässt sich nun nicht nur ein Erguss, sondern Eiter nachweisen. Das Gelenk wird mehr entlastet. Es können auch schon Fieber und besonders in der Nacht Schmerzen auftreten. Im darauffolgenden Stadium ist die Weichteilschwellung massiv. Äußerlich kann eine meist gerötete gespannte Haut gesehen werden. Das Gelenk ist extrem berührungs- und vor allem bewegungs empfindlich. Besonders wenn größere Gelenke wie Handgelenk, Ellenbogen-, Schulter-, Knie- oder Hüftgelenk betroffen sind, kommt es auch zu höheren Temperaturen, unter Umständen sogar zur septischen Temperatur. In diesem Stadium ist eine dringende operative Therapie überfällig.

Wovon hängt die Schwere des Krankheitsbildes einer Infektion ab?
Die Schwere des Krankheitsbildes ist von vielfältigen Faktoren abhängig. Ein ganz wichtiger Faktor stellt die persönliche Abwehrlage dar.
So sind Diabetiker Menschen die regelmäßig Cortison oder andere die Immunabwehr schwächende Substanzen einnehmen müssen generell gefährdeter, dass ihr Infekt sehr viel schwerer verläuft aber auch Menschen mit einer bösartigen Erkrankung, wie zum Beispiel einer Leukämie, leiden in aller Regel unter einem Infekt sehr viel mehr als Menschen mit gesunden Abwehrlage.

Darüber hinaus ist jedoch auch die Zahl und die Aggressivität der Erreger, die ins Gelenk gelangen , wichtig.: Je aggressiver die Keime sind, desto schneller und desto aggressiver verläuft der Infekt.

Wie kann zum Beispiel durch eine Kortisoninjektion eine Gelenkinfektion verursacht werden?
Die Punktionsstelle wird dort desinfiziert. Auch wenn die Punktionsstelle vor der Injektion desinfiziert wurde können in der Tiefe der Haut noch Staphylokokken oder andere Keime, die die Desinfektion überleben und dann durch die Punktion in die Gelenkschleimhaut und in die Gelenkflüssigkeit gelangen.

BGelenkinjektion_Kortisonei jeder Kortisoninjektion in ein Gelenk – gleichgültig ob großes oder kleines Gelenk – ist eine strenge Beachtung der Sterilität geboten, da sonst das Risiko eines Gelenkinfektes erheblich ansteigt.

Gerade wenn eine Cortisoninjektion ins Gelenk vorgenommen werden musste, führt bereits eine wesentlich geringere Bakterienzahl zum Infekt, als dies normalerweise der Fall ist. Aus tierexperimentellen Untersuchungen weiß man, dass die erforderliche Keimzahl zum Anwachsen eines Infektes im Gelenk bei einer Cortisoninjektion um das Zehntausendfache geringer ist als ohne diese Injektionen.

Wie kann die Infektion des Gelenkes in den frühen Stadien diagnostiziert werden?
Je früher das Stadium der Infektion, desto diskreter sind die Symptome. Im einzelnen findet man:

  • Einschränkung der Beweglichkeit im betroffen Gelenk infolge Schmerzen
  • Rötung und Schwellung im infizierten Gelenk
  • Überwärmung und Druckschmerz im infizierten Gelenk
  • erhöhte Körpertemperatur eventuell auch Fieber

Wann treten diese Symptome auf?
Auch dies variiert recht stark und ist von der Art und Menge der Bakterien abhängig. Gerade Streptokokken der Gruppe A können hier sehr rasch verlaufende Infekte mit schweren Schäden verursachen.

Bei den meisten Infekten nach einer Punktion, Arthroskopie oder Operation treten die Symptome des Infektes nach rund drei Tagen auf.

Wie kann denn ein Betroffener Schmerzen einer Infektion von den gewöhnlichen Schmerzen nach einer Punktion, Arthroskopie oder Operation unterscheiden?

Charakteristisch für einen Gelenkinfektion nach einer ärztlichen Maßnahme ist der Verlauf:

Anfänglich (stärkere) Schmerzen werden zunächst (z.B. am 2. Tag) geringer. Nach einer Phase deutlicher Besserung kommt es dann wieder zur Verschlimmerung. Mit Zunahme der Infektion werden dann die Schmerzen schlimmer als kurz nach dem Eingriff! Selbst Schmerzmittel helfen nicht mehr oder nur ganz kurzfristig!

Gelenkinfektion_DSGDie Abb. zeigt eine Infektion am Daumensattelgelenk nach einer Kortisoninjektion.

Beachten Sie bitte die Rötung und Schwellung

Ist eine Röntgenaufnahme notwendig?
Die Röntgenaufnahme ist sinnvoll zur weiteren Abklärung des Schmerzes: Nachweisen kann z.B. falsch liegende Schrauben, Implantate oder Platten. Bei Verletzungen eventuell auch ein Fremdkörper

 Im Frühstadium der Gelenkinfektion sind im Röntgenbild jedoch noch keine Knochenveränderungen zu erwarten!

Kann ein Bluttest die Infektion beweisen?
Nein: Bei Untersuchung des Blutes findet man zwar meist eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen, eine erhöhte Blutsenkung und ein erhöhtes CRP. Diese Laborveränderungen sind jedoch nicht spezifisch für einen Infekt eines Gelenkes. Auch bei einem grippalen Infekt  oder auch einer Operation sind diese Werte erhöht.

Ist eine Gelenkpunktion zum Nachweis des Gelenkinfektes notwendig?
Ein Gelenkpunktion unter absolut sterilen Bedingen kann oft den Infekt des Gelenkes beweisen.

Dauert es denn nicht zu lange bis der Nachweis des Infektionserregers vorliegt?
Doch! Mit Nachweis des Gelenkinfektes ist auch nicht die Identifizierung der für die Infektion spezifischen Bakteriums gemeint. Die aus dem Gelenk ab punktierte  Flüssigkeit kann gefärbt werden (Gram-Färbung) und dann in der Übersicht auf Bakterien untersucht werden. Der Nachweis jedweder Bakterien in der Gelenkflüssigkeit beweist einen Infekt!

Leider schließt ein fehlender Nachweis von Bakterien den Infekt des Gelenkes jedoch nicht aus! 

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